Texte im Web: 7 Tipps für kundenorientiertes Schreiben

Das schwierigste am Bloggen ist das Verfassen guter Texte. Lernen Sie 7 einfache Regeln für gute Web-Texte kennen.

Ich bin kein Texter. Trotzdem, oder gerade deswegen, versuche ich die Texte nach und nach immer besser zu machen. Eine große Hilfe war das Buch „Texten für das Web“ von Andreas Grede. Ich möchte hier seine sieben Regeln für kundenorientiertes Schreiben aufgreifen und an die Bedürfnisse von Blogs anpassen. Diese Regeln gelten hauptsächlich für Corporate Blogs und Blogger die eine konservative Zielgruppe ansprechen wollen. Einige Grundzüge sollten auch Spaß- und Hobbyblogger beachten. Dazu habe ich seine Regeln weiter vereinfacht.

1. „Sie“ statt „wir“

Seien Sie sich immer darüber im Klaren, dass Kunden in der Regel nicht interessiert was Sie machen, sondern welchen Nutzen er davon hat. Seinen Sie sparsam mit dem Wort „wir“ und „ich“. Die Nutzung von „Sie“ fördert beim Leser Aufmerksamkeit, da er direkt angesprochen wird — „wir“ langweilt und wirkt passiv.

Schlecht:
Wir entwickeln maßgeschneiderte Konzepte und Websites.
Besser:
Sie erhalten maßgeschneiderte Websites.

Natürlich gilt das nicht für jede Situation. Sollten Sie einmal einen Fehler machen oder einen Tipp aussprechen, ist der Gebrauch von „ich“ oder „wir“ in Ordnung. Sie können schlecht sagen: „Sie haben einen Fehler erhalten.“ Besser und authentisch ist: „Wir haben einen Fehler gemacht.“

Und, weil wir schon dabei sind: Anreden auf Websites schreibt man groß.

2. Schreiben Sie aktiv: Wenige Hauptwörter, mehr Verben

Verben stehen für Handeln – Substantive (Hauptwörter, Nomen) wirken streng und amtlich. Versuchen Sie daher immer Ihre Leser zum Handeln anzuregen, denn Sie wollen ja, dass er etwas auf Ihrer Website kauft, schreibt usw.

Schlecht:
Bei Zahlung bis 2. Feb 2010 gewähren wir 2% Skonto.
Besser:
Zahlen Sie bis 2. Feb 2010 und sparen Sie 2%. Oder Sparen Sie 2%, wenn Sie bis 2. Feb 2010 zahlen.

Betrachtet man die Sätze aus Kundensicht, will der Kunde sicherlich lieber sparen als zahlen. Der zweite verbesserte Satz spricht den Kunden also mehr an. Versuchen Sie es einmal selber! Es ist unglaublich wie viele Substantive man aus Texten verbannen kann.

3. Keine Phrasen und Füllwörter

Die Amerikaner sind darin nicht zu schlagen: hohles und sinnloses Geschwätz. Bringen Sie es auf den Punkt. Vermeiden Sie nette, aber nicht ehrlich, gemeinte Wörter und Sätze.

Schlecht:
Vielen Dank für das damit verbundene Vertrauen in unsere Produkte.
Besser:
Danke für Ihr Vertrauen.

Schreiben Sie im Netz grundsätzlich kurze und aussagekräftige Sätze. Niemand liest Texte die über mehrere Bildschirmseiten hinweggehen. Der nächste Tipp hilft Ihnen ebenfalls dabei.

4. Vorangestellte Nebensätze weglassen

Viele Texter übertreiben es einfach. Sie müssen dem Leser nicht mitteilen, dass Sie ihm etwas zu sagen haben. Er ist auf Ihrer Website — er will etwas von Ihnen lesen.

Schlecht:
Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass Sie ab sofort in unsere neue Rubrik „XYZ“ nutzen können.
Besser:
Nutzen Sie jetzt Rubrik „XYZ“.

Mit Sicherheit finden sich in vielen Ihrer Texte solche oder ähnliche Formulierungen. Lesen Sie einmal kritisch Ihre eigenen Mails, Mitteilungen und Beiträge. Versuchen Sie diese vorangestellten Nebensätze durch kurze und aktive Formulierungen zu ersetzen.

5. Schachtelsätze vermeiden

Lange Sätze, die sich über viele Zeilen erstrecken, sind der Horror. Sie lassen sich schlecht lesen und meistens weiss man am Ende nicht mehr was am Anfang stand.

Schlecht:
Wir möchten Sie darüber informieren, dass am 10 Feb. 2010 unsere Website, insbesondere der Bereich Forum, aufgrund von Wartungsarbeiten an der Hard- und Software, nicht für Kunden der Basis-Verträge zur Verfügung steht und deshalb mit erheblichen Beschränkungen zu rechnen ist.
Besser:
Am 10 Feb. 2010 finden Wartungsarbeiten statt. Es kann dadurch zu Einschränkungen kommen.

Kurz und knapp und jeder weiß was gemeint ist.

6. Zu viel Super ist nicht super

Wenn man sich im Netz so umschaut, dann gibt es dort überall nur das Beste und kaum jemand kann es wirklich nachweisen. Das Beste hier und das Beste da. Das Sprechen in Superlativen ist beliebt.

Schlecht:
Wir haben die größte Auswahl der besten Programmierer weltweit.
Besser:
Sie werden von erfahrenen Programmierern betreut.

Zu viele Superlative wirken unglaubwürdig. Halten Sie den Ball flach und seien Sie ehrlich. Wenn Sie für Ihre Arbeit ausgezeichnet worden sind, spricht nichts dagegen, dies auch zu sagen.

7. Kurze Worte und Sätze

Im Punkt 5 ist es hoffentlich schon deutlich geworden. Lange Sätze sind häufig unverständlich und gehören nicht ins Netz. Schreiben Sie kurze, einfache Sätze mit verständlichen Worten.

Schlecht:
Bedauerlicherweise ist dieser Satz viel zu lang geraten, wofür ich mich vielmals bei Ihnen entschuldigen möchte.
Besser:
Bitte entschuldigen Sie den letzten Satz.

Weniger ist manchmal einfach mehr. Lesen Sie Ihre Texte in Ruhe und versuchen Sie dabei immer und immer wieder, Wörter zu streichen. Sie werden feststellen, dass sich ganze Wortgruppen erübrigen bei gleicher Satzaussage.

Sprechen Sie Ihre Texte einmal in einen Telefonhörer. Beim Telefonieren fassen Sie sich in der Regel auch kurz und nutzen einfache Wörter. Ihnen wird auffallen, dass einige Passagen merkwürdig klingen. Schreiben Sie die Änderungen mit und Sie werden feststellen, dass Ihre Texte kürzer und aussagekräftiger werden.

Ich muss zugeben, dass dies bisher mein schwierigster Beitrag auf dieser Website war. Beim Lesen meiner eigenen Zeilen habe ich permanent Wörter entfernt und ganze Sätze gestrichen. Es ist wirklich schwierig, übers Schreiben zu schreiben.

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Diskussion

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15. Januar 2008 von Joseph Wolfsberg

Vielen Dank für den Beitrag.Wurde durch die Einreichung auf unserer News-Seite, darauf aufmerksam.Wurde dort als positive Anregung gepostet.

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15. Januar 2008 von Texte bloggen

[…] wie man besser schreibt. Der Fokus liegt dabei auf dem Schreiben für Blogs. Prädikat: Lesenswert.Blogging MagazinSprache schreiben Blog Web Persönliche DatenName:Webseite:KommentarMangels php auf dem Webspace ist […]

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15. Januar 2008 von Nachgedacht

[…] eines Blogs in der Befriedigung eines gewissen Voyeurismus, der in allen Menschen vorhanden ist.Blogging MagazinGedanken. Blog Sprache Persönliche DatenName:Webseite:KommentarMangels php auf dem Webspace ist das […]

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15. Januar 2008 von Paul (blogtopf)

Sehr interessanter Artikel, sollte man schreiben von Artikel vielleicht das nächste Mal beachten.

mfg

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16. Januar 2008 von Tobias Redmann

Genau aus diesem Grund habe ich diesen Artikel geschrieben. Es ist schwer und braucht Zeit — man sollte einfach nicht aufgeben.

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18. Januar 2008 von Patrick

Danke fuer diesen Artikel, mal schauen wie sich das bei mir umsetzen laesst. ;)

Greetings

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23. März 2009 von Manfred Witzel

Einige Tipps werde ich beim nächsten Schreiben umsetzen. So wird die Kommunikation einfacher und so soll es ja auch sein!

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21. Mai 2009 von temao

Sehr informativer Artikel.
Mal sehen was man(n) davon umsetzen kann ;)

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